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Die verlassene Stadt der Inka: Machu Picchu

Kaum einer hat nicht von ihr gehört und sie ist auf Platz 2 der Gründe, eine Perureise anzutreten: Die Rede ist von der sagenumwobenen Inkastadt Machu Picchu. Tief versteckt im Bergregenwald nördlich von Cusco wurde sie von den Spaniern zur Zeit der Eroberung nie gefunden. Um den „wahren“ Entdecker streiten sich die Geister. Ob nun der gemeinhin benannte Amerikaner Hiram Bingham 1911 oder zuvor schon der Italiener Antonio Raimondi 1865 oder der deutsche Ingenieur Augusto Berns 1867 – Fakt ist nur, dass zu diesen Zeiten die Stadt schon um die 400+ Jahre alt war. Wie mag es wohl gewesen sein vor über 100 Jahren als vermeintlich Erster nach Jahrhunderten auf Machu Picchu herabzublicken, vermutlich überwuchert von Pflanzen, die sich ihr Gebiet zurückerobern wollten?

Die Inkastadt ist üblicherweise das Ziel einer jeden Perurundreise, die sich durch den Süden erstreckt. Bei uns drei Mädels war es ein Highlight mitten drin – welches zur Urlaubsende jedoch unangefochten an der Spitze steht.

Doch wie besichtigt man eines der 7 Weltwunder eigentlich am besten?

„Die Beste“ Möglichkeit gibt es so nicht, es gibt einige Varianten, mit ihren Vor- und Nachteilen und jeder muss für sich seine Präferenzen festlegen – oder halt mehrmals hingehen :-)

Reisezeit

Gemeinhin gilt unser Sommer, also der peruanische Winter als Reisezeit, da Trockenzeit. Wir sind im Februar gegangen – der als verregneter und äußerst neblig verrufen gilt. Bis zuletzt bangte mir die Sorge, ob wir Machu Picchu überhaupt zu Gesicht bekommen würden, oder ob man aufgrund einer dicken Nebelwand die Hand vor Augen nicht sehen kann – ein realistisches Risiko.

 

Die Apus (Berggötter der Inka) schienen uns jedoch wohlgesonnen zu sein! Während es morgens vereinzelt regnete und es tatsächlich sehr neblig war, kam gegen Mittag die Sonne heraus! Das Phänomen gilt übrigens ganzjährig: morgens neblig, nachmittags sonnig. Erst gegen Ende unseres Weges hin holte uns der Regen wieder ein – Glück gehabt!

 

Anreise

Bevor wir auf gutes Wetter hoffen konnten, mussten wir erstmal irgendwie hinkommen. Dabei gibt es zahlreiche Möglichkeiten! Wer Zeit und Muße hat, kann sich über ein Mehrtagestrekking zu Fuß nach Machu Picchu durchschlagen. Alternativ lässt sich auch nach Hidroeléctrica per Bus fahren und dann 3 Stunden die Gleise entlang nach Aguas Calientes (allgemein hin bekannt als Machu Picchu Dorf) wandern.

Aus Zeitgründen (und Komfort ;-)) haben wir uns jedoch für die klassische Variante entschieden: Mit dem Zug. Keiner hat mir jedoch vorher gesagt was für ein Luxus sich hier bietet!

 

Wir sind mit Inca Rail gefahren (es gibt auch noch Peru Rail). Hinzu die Klasse: 360°. Warum diese so heißt? Nunja, sagen wir so: Die Fensterfront ist riesig, selbst im Dach ist Glas eingelassen. Man hat also eine fantastische Aussicht und muss sich dazu nicht einmal in den offenen Waggon bewegen (was wir natürlich trotzdem gemacht haben ;-)). Ein offener Waggon, bei dem dir der Wind ins Gesicht bläst während der Fahrt – mega!! Frühstück war inklusive und ich fand es nicht als einzige schade, dass die Fahrt nur knapp 1 ½ Stunden andauerte – bei der Aussicht auf das ewige Grün ohne Anzeichen von Zivilisation hätte ich mich ewig sattsehen können!

 

 

Zurück gab es noch einen drauf. Ich hatte mit einem einfachen Sandwich als Snack für Zwischendurch gerechnet, doch die Freundin hatte Erste Klasse für uns gebucht. Erste Klasse! Bei der Deutschen Bahn bekommst du hier ein weicheres Kissen und unmerklich mehr Platz. In Peru bekommst du hier Folgendes *räusper*:

 

  • Einen extrem schicken Waggon, mit einem bereits schön gedeckten Tisch, in dem die Weingläser schon bereitstanden

  • Einen Kellner, der sich persönlich mit Namen vorstellt und dir (fast) jeden Wunsch erfüllt

  • Ein 3-Gänge-Menü vom Feinsten, bei dem ich auf Nachfragen auch sofort und kurzerhand eine vegetarische Alternative bekam (er hatte mir den Fisch schon hingestellt und ich war so... uuuhhh.... )

  • Getränke ohne Limit. Das galt übrigens auch für den Alkohol. Ich war nach einem Pisco schon sehr heiter, der Wein kam noch on top.

  • Der Nebenwaggon – der Barsalon viel eher – war mit gemütlichen Sesseln und einem Sofa ausgestattet, besaß einen schmalen Außenbalkon und ganz nebenbei hat eine Live Band ganz ausgezeichnete Stimmung gemacht.

 

Die Freundin meinte der Aufpreis lag vielleicht bei um die 20 € (Angaben ohne Gewähr). 20 € mehr und ich bekomme sowas geboten? Meine Güte, Peru hat mir jetzt nicht nur das Fernbusreisen, sondern nun auch das Zugreisen komplett verdorben – wie soll ich in Europa je wieder öffentlich fahren? Ich werde jedesmal diesen Standards hier hinterherweinen!

 

Ich habe auch geweint, als wir nach 1,5 Stunden in Ollantaytambo schon wieder aussteigen mussten. Inca Rail konnte aus Gründen (Regenzeit?) die Zugfahrt nicht bis Cusco anbieten, daher ging es von Ollantaytambo aus dann in einen einfachen Van (von Inca Rail organisiert). Beim Umsteigen sind wir dabei gehörig nass geworden, aus der Traum!

 

Der Preis für die Hin- und Rückfahrt zusammen lag übrigens bei ca. 146 € für insgesamt ca. 5-6 Stunden Fahrt inkl. Verpflegung. 

 

Die Zugfahrten waren jedenfalls ein überraschend angenehmes Erlebnis, die den Tag um Machu Picchu perfekt abrundeten. Womit ich zurück zum Thema komme:

 

Aguas Calientes

Noch sind wir nicht ganz da! Es ist nunmal ein weiter Weg um eines der 7 Weltwunder betrachten zu können :-) Aguas Calientes ist auf jede Weise (außer über den Inca Trail) der Ausgangspunkt für Machu Picchu. Wir sind um kurz vor 9 Uhr morgens angekommen, haben uns ein wenig umgeschaut und dann kurzerhand einen Sprung in die heißen Quellen gewagt (20 S/.). Immerhin heißt der Name des Ortes wörtlich übersetzt „warmes Wasser“! Viel war dort nicht los, wer die Zeit hat, sollte sich auf jeden Fall den Besuch gönnen. Es ist total skurril im heißen Wasser zu liegen, während um einen herum die hohen Berge im saftigen grün aufragen, verziert durch mystische Nebelschleier.

 

Die Zeit um hochzulaufen und uns das Busticket so zu sparen, hatten wir dann nicht mehr – oder wagten es zumindest nicht. Im Nachhinein war ich heilfroh, wir sind nach Machu Picchu nämlich hinunter gewandert und der Weg ist überraschend steil und anstrengend, wenn auch sehr ansehlich. (Für den Weg zu Fuß nach unten haben wir gute 1,5 Stunden gebraucht).

 

So ließen wir uns also hochchauvieren (12$) und um 12 Uhr ging es dann schließlich los. Endlich!

 

Machu Picchu

Wir passierten den Eingang, gingen einen kurzen Pfad entlang, ein einigen der ersten Häuser vorbei - dann kam er auch schon: Der erste Aussichtspunkt schlecht hin, das typische Bild, was jeder von Machu Picchu kennt. Plötzlich direkt vor unseren eigenen Augen.

Wir verursachten vielleicht einen kleinen Stau aber alas, den verursacht wohl jeder an dieser ersten Stelle. Höher und Höher ging es, das Panorama wurde immer beeindruckender. Die Wege führten hin und wieder durch ein wenig grün, während wir uns so langsam um Machu Picchu – und doch schon durch Machu Picchu – bewegten.

 

Es gibt übrigens 2 Berge, die sich zusätzlich besichtigen lassen und von denen man noch mehr sehen kann oder zumindest nochmal eine ganz neue Aussicht darauf genießt. Die Rede ist von „Huayna Pichu“ und vom „Machu Picchu Berg“. Tickets sind limitiert (weit im Voraus buchen!) und nur mit einem Morgeneintritt kombinierbar.

 

Darüber hinaus gibt es zahlreiche Guides, die direkt vor den Toren ihre Dienste anbieten. Wer also nicht nur die Aussicht, sondern auch Wissen vermittelt bekommen will, kann auch kurzfristig noch zuschlagen.

 

Wir haben auf Berg wie Guide verzichtet und uns trotzdem 3,5 Stunden durch die Stadt bewegt. Vermisst haben wir dabei nichts, nur genossen haben wir. Zuerst geht es hoch hinauf. Danach haben wir einen Abstecher zur Inkabrücke gemacht, die ein wenig enttäuschend war, dafür hatten wir den kompletten Weg quasi für uns alleine. Daraufhin ging es schließlich hinab durch die Stadt selbst, durch die Häuser, Arbeiter, Alpakas und natürlich zahlreichen anderen Touristen hindurch.

Ehrlich gesagt: Ich glaube Machu Picchu wäre nur halb so beeindruckend, wenn die Stadt sich nicht genau auf diesem einen Flecken Erde befände. Um diesen niedrigeren Hügel herum erstrecken sich hohe Bergketten, ein Meer aus Grün. Allen voran natürlich der Huayna Picchu, der direkt dahinter aufragt und dem Gesamtbild seine besondere Note verpasst. Nebelschwaden und Sonnenstrahlen erkämpfen sich abwechselnd ihre Rechte auf Machu Picchu. Ja, vermutlich hat sich das der Inka Pachacutec genauso gedacht und aus diesem Grund seine Stadt genau dort erbauen lassen wollen.

 

Mit einem schweren Seufzen mussten wir der Stadt schließlich den Rücken kehren. Der Himmel weinte uns nach, als es schlussendlich doch noch kurz, aber heftig zu Regnen anfing. Nach einer Pause im naheliegenden Café, auf dem wir einen letzten Blick auf die einzigartigen Berge vor uns werfen konnten, machten wir uns schließlich an den Abstieg.

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