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Ab in die Anden!

Teil [1] 2 3 4

Von der Hitze der Wüste in die Höhe der Berge – ab ging es nach Huaraz in den Anden!

 

 

Ahja, die Sache mit Huaraz war ein wenig ein Hin- und Her in der Planung. Reichte die Zeit aus? Oder sollte ich doch lieber erst woanders hin? Nachdem ich allerdings erfahren hatte, das Freitag, der 26. Juli ebenfalls ein halber Feiertag sein würde, beschloss ich kurzerhand doch Huaraz – nach einer Empfehlung meiner Kollegen – zu buchen. Das war knapp zwei Wochen vor den Feiertagen und alles in mir schrie, wo genau soll ich was buchen, an welchem Tag was planen? Bis ich in einem Reiseführer gelesen hatte, am besten geht es spontan vorort – irgendwie hatte ich so eine Bestätigung für mich innerlich gebraucht *lach* - in diesem Fall bin ich mal wieder seltsam verkopft an die Sache rangegangen.

Aufgrund des Feiertages war ich mit den zwei Wochen relativ spät daran und einige Busunternehmen hatten bereits keine Plätze mehr zur Verfügung. Busse gibt es in Peru jedoch wie Sand am Meer, da muss man sich im Grunde keine Sorgen machen. So bin ich diesmal also mit Moviltours gereist, Hin- und Zurück für 225 Soles. Das ist ungefähr das dreifache des normalen Preises (Feiertagszuschlag!), dennoch gerade mal 60 EUR für jeweils 8 Stunden Fahrt.

 

 

Das war dann auch meine erste Nachtfahrt! Nachtfahrten gehören in Peru zum Standardangebot, aufgrund der weiten Strecken – diese würde ich generell aber nur mit den besseren Busgesellschaften buchen. Der Busbahnhof war ziemlich überfüllt, es gab jedoch soweit keine Probleme. Die Nacht selbst war semigut – ein schreiendes Baby hat hin und wieder die Ruhe gestört :')

Außerdem, ein Tipp: Warm anziehen.

 

Den hatte ich befolgt. Solange wir an der Küste entlanggefahren sind, war mir sogar fast etwas zu warm, später jedoch, als wir in die Berge kamen, war ich froh darum. Da ich am Fenster saß, zog umso mehr eine plötzliche Kälte von außen hinein.

Ankunft im Hostel

Morgens in Huaraz strahlte mir dann bereits die Sonne entgegen. Ich nahm ein Taxi für 8 Soles zum Monkiwasi Hostel – und stand dort dann erstmal etwas verloren herum. Es war noch nicht einmal 7 Uhr morgens, alles war ruhig und ich? Ich fand den Eingang nicht.

 

Naja oder besser gesagt: Es gab keine Klingel und ein Gitter versperrte mir den Weg zur Tür. Lediglich ein kleines Schild an der Hauswand ließ vermuten, dass ich richtig war. Also ging ich erstmal etwas hinauf und hinab, überprüfte meine Position dann nochmal in Google Maps – vielleicht gab es ja woanders einen freundlichen, offenen Eingang? Selbst für Hostel-Standards hat mich das ein klein wenig verwirrt! Tatsächlich versuchte ich sogar – erfolglos – anzurufen, bis ich irgendwann schlichtweg die Hand durch das Gitter gesteckt habe um von innen heraus, den Riegel herauszuziehen und so die Pforte zu öffnen. Manchmal kann es wirklich so einfach sein. Tja! Dann klopfte ich vorsichtig und ein stämmiger Typ, der ein wenig verwildert aussah, öffnete mir.

Innen war noch alles dunkel. Huch, dachte ich mir da nur. Danach durfte ich mich erstmal in einem Buch eintragen und so meine Ankunft bestätigen – es wurde weder eine Ausweiskopie gemacht noch muste ich eine Sicherung hinterlegen. Oder, wie eine andere Reisende später zu mir meinte, ganz getreu dem Motto „We trust you.“ (Zitat!). Der Mann brachte mich dann nur noch in das zugewiesene Zimmer und dann, tja, wusste ich auch erstmal nicht, wie ich starten sollte.

ein offenes, gemütliches, wenn auch eigentümliches Hostel - ich habe gerade mal 90 Soles für 3 Nächte bezahlt!

Gutes Timing

Eine glückliche Fügung kam schließlich auf mich zu: Nur wenige Minuten nach mir, kam ein weiteres Mädchen ins Zimmer. Und geweckt hatten wir dadurch eine sehr energiegeladene Französin, die schon einige Tage in der Stadt war. Wir kamen also leicht ins Gespräch und während sich die Französin auf ins Yoga machte, schloss ich mich dem weiteren Neuankömmling an, da wir ähnliche Ziele in Huaraz verfolgten. Ich dachte erst sie wäre Asiatin, aber nein! Ruth war Limeño und hier mit ihrem Kumpel André... Andres... (ach, er wurde sowieso nur Chipi genannt).

Am liebsten wäre ich, meiner Natur folgend, sofort losgerannt und hätte mich eingehend über Touren informiert um ja keine Minute zu verschwenden. Allerdings wollte ich auch die Chance auf Begleitung nicht versäumen, also wartete ich, bis beide fertig waren – und dann ging es erstmal zum Markt! Frühstück durfte natürlich nicht fehlen.

Fakten über Huaraz

Huaraz ist die Hauptstadt der Region Ancash, ca. 450 km nördlich von Lima in den Anden und liegt auf einer Höhe von ca. 3100 Metern über den Meeresspiegel. Einwohner: ca. 55.000. Der Ort ist von Bergen umgeben, morgens kalt mit Temperaturen um die 0 Grad, die täglich auf ca. 20 Grad tagsüber steigen – Sommer wie Winter identisch! Die Häuserfassaden sind meist nackt, sodass man den Backstein sieht und Gebäude eher flach und klein – mehr als zwei Stockwerke sind selten. Wilde Hunde gibt es übrigens auch hier zur Genüge, haben uns jedoch stets in Ruhe gelassen. Die Luft ist trocken und man sollte trotz Kälte nicht mit Sonnencreme sparen.

Wie fühlen sich 3100 Meter also nun an? Ja... das weiß ich auch nicht so genau. Vor dem Frühstück fühlte ich mich einfach nur ein wenig durch, habe es aber zum Großteil auf den wenigen Schlaf geschoben. Dennoch kann ich nachvollziehen, warum man sagt, die Luft wird dünner – es fühlte sich tatsächlich ein wenig so an! Nach dem spärlichen Frühstück fühlte ich mich dennoch ganz gut und wir beschlossen uns mal nach Touren für die nächsten Tage zu informieren.

 

Und ehrlich: Es muss sich niemand Sorgen machen, nichts passendes zu finden. Angebote gibt es zahlreiche! Die Region ist bekannt für seine schönen Bergseen und verschiedene Wandermöglichkeiten. Auch Klettern lässt es sich hervorragend. Ausrüstung lässt sich ebenfalls leihen, wenn ich das richtig gesehen habe. An jeder Ecke finden sich also Touren, die sich auch preislich nicht großartig unterscheiden. Man hat, wie man so schön sagt, die Qual der Wahl! 

 

So passierte es also, mir nichts dir nichts, saßen wir drei in einem Tourbus Richtung Chavin de Huantar! Dazu muss man sagen, dass der Typ, den wir angesprochen hatten, selbst gar keine Möglichkeit mehr hatte und uns kurzerhand in einen anderen Bus gesetzt hatte. Dieser brachte uns dann erstmal dem Bus, der schon unterwegs war, entgegen und wir stiegen dort mitten auf der Strecke zu – ein wenig verrückt war das ja schon!

 Auf dem Tourplatz deckte ich mich noch mit einer Flasche Wasser und einigen Coca-Bonbons ein. Die sollen angeblich gegen die Höhenkrankheit helfen – schon die Inka schwörten darauf! Oder so ähnlich. Tatsächlich kam mir erst, als ich im Bus saß, der Gedanke, dass ich überhaupt nicht wusste, wie hoch es heute hinaus gehen sollte. Na hoppla.

 

 

Bei Wanderungen ist klar – es geht auf den Berg hinauf. Aber wo liegt dieser Tempel eigentlich genau? Ein Kollege hatte mir erzählt, dass der Tempel der Chavin – einer Prä-Inka Kultur – in der Nähe von Huaraz liegt. 

In der Nähe bedeutete am Ende über 2 Stunden Fahrt quer durch die Anden. Ich kann nicht verhehlen, wie beeindruckend die Kulisse vor meinen Augen gewesen ist. Gelbes Gras, weite Ebenen, hohe Berge, mal flach, mal steil, mal kurvig und es ging höher, höher, höher. Nicht lange und ich bekam Kopfschmerzen, woraufhin ich eifrig am ersten Coca-Bonbon lutschte – wurde dann auch wieder besser. (Oder doch nur Placebo?!) 

Wir machten einmal kurz Halt am See Querococha. An diesem Zwischenstopp hatten wir dann bereits die 4000 Höhenmeter geknackt. Hups, dachte ich mir erneut. Wie ist das denn so schnell passiert? Eigentlich hatte ich ja vor es am ersten Tag ruhig angehen zu lassen, wie auch immer dieses „ruhig“ bei mir aussehen sollte. Naja genau genommen saßen wir ja ruhig in einem Bus und fuhren sogar eine asphaltierte Straße entlang. Also, alles halb so wild! (Spoiler: Nein.)

Der See selbst lag wunderschön inmitten der Anden. Das Wasser war auch gar nicht so kalt wie erwartet. In der Nähe grasten Schafe und einige Einheimische waren mit Pferden hier, die sie zum Aufsitzen anboten. Natürlich hielt an dieser Stelle nicht nur unser Bus, sondern jeder – war es ja auch die einzige Straße die aus dieser Richtung nach Chavin de Huantar führte. Tatsächlich gab es an der gegenüberliegenden Straßenseite sogar eine Minibude, in der man sich mit Essen und Trinken eindecken konnte und Toiletten, die zwar nicht den neuesten Standards entsprachen (*hüstl*), aber ihren Zweck erfüllten.

 

Ich bin dann auch schnellen Schrittes vom See, der etwas tiefer lag, wieder hoch zum Bus und bin in diesen paar Metern sofort außer Puste geraten. Hallo? Das war nichtmal steil! Der Atem hatte sich automatisch prompt beschleunigt – aha, dachte ich mir, das waren also die Auswirkungen von 4000 Meter Höhe! Heilige Scheiße.

 

 

Mit Sorge verfolgte ich, wie der Bus dann Kurve um Kurve noch höher fuhr – wie hoch denn noch? Bis es – welch Erleichterung! - ebenfalls wieder Kurve um Kurve tiefer ging. Na was ein Glück. Es ging also wieder bergab, das konnte nur besser sein für den Körper und da merkte ich noch nicht, wie es, trotzdem, auch mit mir weiter bergab ging.

 

 

Die Aussichten, die sich einem in dieser Einöde darboten, waren spektakulär. Aus dem Bus heraus konnte ich einfach nur staunen. Ich liebe die Berge einfach! Bevor wir Chavin de Huantar erreichten, kamen wir bereits an einigen kleinen Häusern am Straßenrand vorbei, deren alleinige Existenz mich verblüfften.

 

Die Stadt liegt ungefähr auf derselben Höhe wie Huaraz – also wieder 1000 Meter tiefer. Der Tempel liegt übrigens quasi direkt am Ortsrand und vor Eintritt gibt es zahlreiche Stände, Erwachsene wie Kinder, die einem Artikel andrehen wollen. Der Eintrittspreis lag bei 15 Soles und es dauerte eine Weile, bis innen die Gruppe wieder versammelt war.

Trotz des herrlichen Wetters, hatte ich mir im Bus irgendwann die Jacke angezogen, je höher wir kamen. Jetzt knallte die Sonne plötzlich so extrem, das ich sofort ins Schwitzen kam – so viele Jacken konnte ich da gar nicht mehr ausziehen. Ich merkte da schon, dass ich echt fertig war und versuchte mir mehr gut zuzureden, immerhin waren wir jetzt tiefer, wir würden da jetzt ganz gemütlich entlanggehen und so weiter. Dem Tourguide hörte ich dabei nur halb zu – er sprach sowieso ausschließlich Spanisch und ich war vermutlich die Einzige in der Gruppe, die die Sprache nicht mit der Muttermilch aufgesogen hatte.

Die Sache mit der Höhe

Am dritten Punkt der Erklärungen des Guides hörte ich schon überhaupt nicht mehr zu. Wir starrten ewig, wie mir schien, auf ein ausgebuddeltes Loch im Boden und ich gestand mir mittlerweile ein, dass es mir überhaupt nicht gut ging. Aber was sollte ich machen? Meine Gedanken wirkten ein wenig wie in Watte gepackt. Okay, Stopp, so nicht weiter. Ich streckte die Hand nach Ruth aus, um ihr mitzuteilen, das ich mich schlecht fühlte. Ob ich sie auf Englisch oder Spanisch gefragt hatte oder ob die Worte überhaupt aus meinem Mund gekommen waren, kann ich im Nachhinein gar nicht mehr sagen.

 

Das Nächste was ich wusste war, wie ich auf dem Boden lag, eine Gruppe Fremder um mich herum und zwei, die mich jeweils an den Beinen hochgezogen hatten, zwei andere, die mit meinen Armen wedelten. Mein Blick klärte sich langsam, ich wurde auf die Beine gezogen und ein Kind steckte mir Zitronenbonbons zu. Ich bin umgekippt - laut Ruth war ich wohl einige Minuten weg gewesen.

 

Im Grunde kommt es nicht zu überraschend. Ich bin echt nicht der Typ, der schnell umkippt (3. Mal in meinem Leben – das ist doch nicht viel, oder?!), allerdings: wenig Schlaf, ungewohnte Höhe, kaum gefrühstückt, zu wenig getrunken, Zuckermangel. Mich schockierte nur, wie schnell es ging, bis der Körper plötzlich sagt: „Ne du, jetzt reicht's!"

 

Also Leute, aufgepasst:

 

Überall wird von der Höhenkrankheit gewarnt. Nehmt die Scheiße ernst. Macht es nicht wie ich und rennt sofort darauf los, ganz egal, wie viel Energie ihr normalerweise habt oder glaubt zu haben. Die Höhe ist nur schwer zu begreifen und scheint als Zahl erstmal überhaupt keine Wirkung zu haben. Ja, ne! Hört auf euren Körper, esst und trinkt ausreichend, jedoch keine schweren Sachen und so weiter. Natürlich habe ich mich zuvor ebenfalls informiert – aber man sollte sich halt auch daran halten. Von dem her: Höhenkrankheit is a thing!

Der Tempel der Chavin

Ein Zitronenbonbon und etwas Schokolade später, wurde die Tour schließlich fortgesetzt. Ich habe an diesem Tag entsprechend nicht ganz so viele Bilder gemacht und auch dem Guide nicht wirklich zugehört, zugegeben. Stattdessen habe ich mehr die Umgebung betrachtet und wie der Tempel so mitten in den Bergen daliegt. Beeindruckt hat mich der „Hauptplatz“, der wohl vor hunderten Jahren unter anderem für Feste und Versammlungen benutzt wurde. Im Tempel selbst konnten wir zwei Eingänge besuchen. Einer von ihnen beherberge eine alte Figur der Chavin – der Lanzón – der noch Original so erhalten ist. Fotos sind verboten und ein Wachmann steht den ganzen Tag davor, quasi in einer dunklen Höhle, und passt auf – na um den Job beneide ich ihn jedenfalls nicht. Die Skulptur war um einiges größer als erwartet und ich konnte mich erst gar nicht davon wegsagen, allerdings ist der Gang zu schmal und der Andrang zu groß um den Lanzón lange betrachten zu können.

Der andere Eingang beherbergte verschiedene Gänge, die ziemlich verschlungen waren – so groß sah der Tempel von außen gar nicht aus!

 

Auf der Rückseite des Tempels schließlich war noch einer der berühmten Cabezas Calvas – der verzierten, kahlen Steinköpfe – erhalten, die es hier auch zur Genüge als Souvenirs gibt.

Auf dem Rückweg, nicht unweit von dem Ort entfernt, legten wir dann noch eine Essenspause ein. Da war es bereits später Nachmittag gewesen! Mein Magen konnte dringend etwas richtiges gebrauchen. Trotz aller Vorsätze aß ich hier Fleisch (was in der Höhe nicht empfohlen ist), aber zum einen dachte ich mir, jetzt ist es auch schon egal, zum anderen hatte die Karte nichts anderes zu bieten :'D

 

Cuy ist ein Nationalgericht in Peru und ich habe es in Lima bisher auf noch keiner einzigen Karte gesehen! Ist das zu fassen? Da ich das hier im Menü fand, schlug ich daher sofort zu. Der Geschmack vom Meerschweinchen war wirklich gut (je nach Teil), allerdings war es verdammt schwierig überhaupt etwas abzubekommen. Wer schonmal Hase gegessen hat weiß: So einfach ist das nicht! (Wird daher üblicherweise mit den Händen verzehrt).

Wir waren dann zwischen 6 und 7 Uhr abends zurück in Huaraz, ziemlich erledigt. Zusammen schauten wir noch nach einer Tour für den nächsten Tag, deckten uns im Supermarkt ein und ich besorgte mir in einer Apotheke Tabletten gegen Soroche, die Höhenkrankheit. Sie half auch, zum Glück. Im Hostel kam ich dann endlich, seit Beginn der Nachtfahrt, einmal wirklich zur Ruhe und die Kopfschmerzen legten sich langsam. Hoffentlich akklimatisierte ich mich langsam, immerhin hatte ich noch viel vor, in dieser Stadt in den Bergen!


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